»Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.«

Johann Wolfgang von Goethe

Seit 2015 hat sich in unserem Internat eine kleine Tradition etabliert: eine gemeinsame Reise durch Europa für unsere Oberstufe bei freiwilliger Teilnahme und starker finanzieller Unterstützung durch die Schule. Zumeist mit Kleinbussen und PKW in Richtung Frankreich, aber auch mit dem Zug nach Italien hat es uns schon verschlagen.

Eher zufällig sind wir auf die Idee gekommen, als ein Schüler des Internats die ganze Gruppe im Sommer inklusive Erzieherteam eingeladen hatte, nach Westfrankreich nach Arcachon bei Bordeaux zu kommen und dort ein paar Nächte zu bleiben. Was wir zuerst als undurchführbar abtaten, konnten wir schließlich doch verwirklichen: einen Roadtrip von Salzburg nach Arcachon und über Nordfrankreich wieder zurück. Seitdem haben wir mit unserem VW-Bus und zusätzlichen Kleinbussen oder PKWs schon die Nord- und Südküsten Frankreichs besucht, sind bis Bordeaux gefahren, durch die Schweiz, durch Italien, in die Toskana, nach Korsika per Autofähre, nach Krakau, Budapest und Prag und mit dem Zug nach Neapel. Unsere Reisen haben jeweils die Dauer einer Woche und es fahren meistens drei bis sechs Erzieher mit. Wir erinnern uns auch an sehr schöne Fahrten mit Prof. Gruchmann, Prof. Haslinger und Prof. Holub als Unterstützung.

Warum machen wir solche Reisen? Reicht es nicht, wenn man sich im Internat das ganze Schuljahr sieht?

Erstens wird dadurch die Gemeinschaft in besonderer Weise durch schöne gemeinsame Erlebnisse gestärkt. Zumeist finden diese Reisen kurz vor Schulbeginn Anfang September statt. So gehen wir dann mit einem ganz anderen Gefühl in den Schulstart, haben viel zusammen gesehen, gelacht und erlebt und es ist nicht so ein „Kaltstart“ am Anreisetag vor Schulbeginn. Auch lernt man sich natürlich ganz anders auf einer Reise kennen, erlebt wunderbare Highlights und auch manchmal herausfordernde Momente, muss gemeinsam Probleme lösen. Das alles schweißt die Gruppe sehr zusammen.

Zweitens passt so eine Internatsreise einfach wunderbar zu unseren langfristigen Zielen an Schule und Internat: Bildung und Persönlichkeitsentwicklung. Wir lernen auch anhand von Referaten verschiedene Kulturlandschaften Europas kennen. Dabei bekommt jede Schülerin und jeder Schüler ein Thema zu Geschichte, Geographie, Kultur, Politik, Land und Leute, Essen und Trinken oder was sich sonst so anbietet. Auf diese Art wollen wir den jungen Menschen auch eine Kultur des Reisens vermitteln, wo Erholung, Interesse für fremde Regionen, Kulturen und Länder, Genuss und schöne Erlebnisse zusammenkommen. Die Besichtigung wichtiger Museen vor Ort gehört für uns genauso dazu wie der kulinarische Genuss von zum Beispiel Austern direkt am Meer oder typisch französischen Käsesorten aus der Region, oder der Besuch bei Apfelplantagen in der Normandie, wo Cidre und Calvados erzeugt werden. Wir wollen zeigen, dass eine intellektuelle, in die Tiefe gehende Auseinandersetzung mit den wunderbaren alten Kulturlandschaften Europas und Erholung und Genuss im Urlaub sich nicht widersprechen, sondern im Gegenteil noch gegenseitig verstärken können und eine Reise so zu einem kulturellen Gesamterlebnis wird. Und dann sieht man manchmal nach der Rückkehr auch die eigene Heimat mit anderen Augen.

Drittens ist auch ein sozialer Aspekt dabei und wir konnten schon manchmal eine Reise ermöglichen, die die eine oder der andere so im Moment sonst nicht hätte machen können.

Und viertens ist es auch für uns im Erzieherteam einfach immer wieder eine wunderschöne Sache, diese Reisen mit Jugendlichen erleben zu dürfen, durch Europa zu reisen und Teil einer schönen Gemeinschaft zu sein. Es ist eine Freude, jungen Menschen so viel zeigen zu können und zu sehen, wie Jugendliche staunen und mit Begeisterung zusammen reisen.

Diese Reisen passen also auf viele verschiedene Arten genau zu unserer Aufgabe in Internat und Schule. Nicht umsonst sagte schon Goethe: „Die beste Bildung findet ein gescheiter Mensch auf Reisen.“

Wir sind sehr dankbar, dass wir schon so viele dieser Reisen mit der vollen Unterstützung der Schulleitung durchführen konnten.


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